Sumi-e





Nicht nur die Technik ist anders, sondern auch die Absicht, die hinter dieser Malerei steht. Eine Kunstrichtung, die für uns Europäer faszinierend, aber auch schwer begreifbar ist. Wir alle kennen zwar die zarten, sparsamen Tuschezeichnungen der Chinesen und Japaner und schätzen ihren dekorativen Wert, aber wir wissen nicht viel von der Philosophie ihrer Entstehung.

In Japan pflegen viele Menschen diesen Zweig der meditativen Zen-Künste. Die Zen-Philosophie ist in Japan untrennbarer Bestandteil des Lebens, für Japaner ist es selbstverständlich, eine der vielen Zen-Disziplinen als Ausgleich zum beruflichen Alltag auszuüben - Ikebana, Kalligraphie, Kendo, Judo, Karate, Haiku oder eben Sumi-e. Das Wesen der Sumi-e Malerei wird deutlich, wenn man sie mit unseren Bildtechniken und unseren künstlerischen Absichten vergleicht. Für uns Europäer zählt allein das Ergebnis, egal mit welchen Mitteln und nach welchen Fehlschlägen.

Für Sumi-e gilt der Grundsatz aus der Zen-Philosophie: Der Weg ist das Ziel. Wichtig ist der Prozess des Malens, und der erfordert höchste Konzentration, totale Präsenz und Hingabe. Dadurch erklärt sich auch die Faszination dieser Werke - sie sind so frisch, so unmittelbar, dass man den Entstehungsweg daraus ablesen kann

- der Weg ist nie zu Ende,
- das Werk selbst ist der Weg,
- der Weg ist das Ziel.